Tinnitus bedeutet das Wahrnehmen von Geräuschen ohne das Vorhandensein externer akustischer Reize. Die Geräusche treten mit Unterbrechungen, Schwankungen oder – wie in den meisten Fällen – konstant auf, sie können als Klingeln („tinnire“ ist das lateinische Wort für „klingeln“), Dröhnen, Zischen oder eine andere Art von Lauten wahrgenommen werden, die für gewöhnlich in hoher Frequenz (Tonhöhe) auftreten, wobei bis zu 40% der Betroffenen von Mehrfachtönen berichten. Tinnitus kann ein oder beide Ohren befallen.
Bei vielen Leuten tritt der Tinnitus nur vorübergehend und bloss kurz auf (weniger als fünf Minuten lang), so dass sich eine medizinische Untersuchung erübrigt. Schwerwiegendere Formen sind zum Glück weniger häufig. Fast alle Menschen erfahren irgendeinmal in ihrem Leben mindestens eine kurze Episode mit einem milden Klingeln oder anderen Geräusch in ihrem Ohr. Einige Menschen erleiden dagegen weitaus störendere und möglicherweise bleibende Formen von Tinnitus, die zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen beim Schlafen, Entspannen oder Konzentrieren oder Müdigkeit und Nervosität führen können. Tinnitus betrifft sowohl Frauen wie auch Männer (wobei letztere häufiger), and tritt in jedem Alter auf, dabei am häufigsten bei 50- bis 70jährigen. Gemäss Schätzungen leiden 0,3 bis 1% der Bevölkerung derart unter Tinnitus, dass sie kein normales Leben führen können.
Tinnitus ist keine Krankheit für sich, sondern eine Begleiterscheinung verschiedener Innenohr-Erkrankungen, wie auch Schmerz viele verschiedene Krankheiten begleitet. Ein Tinnitus tritt häufig zusammen mit lärm- oder altersbedingtem Hörverlust und der Meniere’schen Krankheit auf. Andere, weniger häufige Ursachen umfassen die Einnahme von ototoxischen Medikamenten, (Aminoglykoside, hochdosierte Schleifendiuretika, nichtsteroide entzündungshemmende Arzneimittel und bestimmte Chemotherapeutika), Durchblutungsstörungen (Ischemie), autoimmune Prozesse, Infektionskrankheiten, konduktiver Hörverlust, Otoklerose, Kopftrauma etc. In der grossen Mehrzahl der Fälle kann Tinnitus mit Gehörschädigungen bekannten Ursprungs in Verbindung gebracht werden, und vermutlich haben zwei Drittel aller Fälle ihren Ursprung in der Cochlea.
Jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse deuten auf eine zentrale Rolle der Glutamat-Neurotransmission über die Synapse zwischen den inneren Haarzellen und dem Hörnerv für die Entstehung von Tinnitus in der Cochlea hin. Tinnitus kann dabei als eine Art epileptischer Anfall innerhalb der Cochlea angesehen werden, ausgelöst durch Exzitotoxizität, einer Form von Neurodegeneration. Diese wird durch die Freisetzung von Glutamat in grossen Mengen ausgelöst (z.B. infolge der Einwirkung sehr starken Lärms), oder wenn dieses unvollständig wiederverwertet wird.
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